BurnedMiner

Ernst Keller

Grube Anna ll

Du solltest hier nicht sein

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Legende vom BurnedMiner

1 April 2026 Allgemein

Ich weiß nicht, warum ich das hier schreibe. Vielleicht, weil die Stille der Nächte unerträglich geworden ist. Vielleicht, weil ich dieses Geräusch immer noch höre – dieses schleifende, metallische Kratzen tief in meinem Kopf.

Man sagt, Erinnerungen verblassen mit der Zeit, aber jene Nacht in Grube Anna brennt noch immer so hell wie das Feuer, das uns damals verzehrte.

Ich war jung, als es geschah. Wir arbeiteten in jener Nacht unter Tage, tiefer als je zuvor. Die Luft war schwer und feucht – der Gasgeruch hing wie eine Warnung in den Tunneln. Der Vorarbeiter meinte, es sei nichts. „Einfach weitergraben“, brummte er. Und wir taten, was wir immer taten: Wir vertrauten der Dunkelheit.

Es war ein Sekundenbruchteil. Erst ein Klicken, dann ein Blitz.
Die Erde bebte, und dann war da nur noch Feuer. Ich spürte die Hitze, sah Männer rennen, hörte ihre Stimmen im Tosen der Flammen versinken. Dann wurde alles schwarz.

Sie fanden mich erst drei Tage später. Mit Kohle bedeckt, halb unter den Trümmern begraben. Ich erinnere mich noch an den Geruch von verbranntem Staub und Öl. Man sagte, ich hätte Glück gehabt. Aber dieses Wort klang falsch, denn es gab Gesichter, die nie wieder aus dem Feuer kamen. Eines davon war das von Ernst Keller – dem Mann, der immer als Erster hinunterging. Der Stärkste von uns.

Nach dem Unglück wurde Grube Anna geschlossen. Niemand wollte mehr darüber sprechen.

Aber Nächte lang hörte ich Dinge, die nicht wahr sein konnten. In meinen Träumen war ich wieder unten im Schacht. Ich hörte hinter mir Atem. Schwer. Rau. Als ob jemand versuchte, durch geschmolzene Lungen Luft zu schnappen.

Jahre vergingen. Ich heiratete, bekam Kinder, fing bei der Bahn an zu arbeiten. Aber das Gefühl, dass etwas in dieser Tiefe zurückgeblieben war – etwas, das nicht mit mir nach oben gekommen war –, blieb.

Bis ich in einer Herbstnacht zurückkehrte. Sie hatten den Eingang versiegelt, aber ich kannte einen alten Lüftungsschacht, der noch offen war. Ich hatte eine Lampe, einen Helm und mehr Mut als Verstand.

Die Luft war muffig, schwer von Rost und Erinnerungen. Jeder Schritt klang wie ein Echo der Vergangenheit. Und als ich den alten Schacht erreichte, spürte ich es: eine Wärme, als ob die Erde noch immer brannte.

Ich hörte das Geräusch, als ich um die Kurve bog.

Ein kratzender, schleifender Rhythmus. Metall über Stein.

Und dann – Atem.

Langsam, wie ein rostiger Blasebalg.

Der Lichtkegel meiner Lampe erfasste etwas in der Ferne. Ein Blitz aus glänzendem Stahl.

Etwas bewegte sich.
Ich rief: „Ernst?“
Keine Antwort. Nur dieser Atem, jetzt näher.

Die Lampe begann zu flackern.

Ich sah ihn. Oder was von ihm übrig war. Die Hälfte seines Gesichts hinter einer alten, verzerrten Maske verborgen. Die andere Hälfte – schwarz, geschmolzen, aber noch lebendig. In seiner Hand eine Spitzhacke, deren Spitze über den Boden schleifte. Seine Augen – rot wie Kohlen.

Ich konnte mich nicht bewegen. Er hob leicht den Kopf, als ob er mich erkannte. Dann sagte er mit einer Stimme, die wie Wind in glimmender Asche klang:

„Du solltest nicht hier sein …“

Die Lampe erlosch.
Als ich wieder zu mir kam, lag ich draußen, nahe dem alten Eingang. Keine Spur von irgendjemandem. Nur ein schwarzer Abdruck im Staub, als wäre etwas aus der Dunkelheit gerissen worden.

Das war vor dreißig Jahren. Niemand glaubt mir.
Aber manchmal, wenn der Wind aus Süden weht, höre ich es wieder.
Dieses schleifende, metallische Geräusch unter der Erde.
Und den Geruch von Feuer, alt, aber nie vergessen.

Vielleicht habe ich zu lange im Dunkeln gearbeitet.
Oder vielleicht ist er noch immer da – wartend, tief unter Grube Anna.
Der Mann, der nie heraufkam.


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